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Ein verblüffendes Handballspiel

OHV Aurich gewinnt gegen die TSG Altenhagen-Heepen Bielefeld eine Partie, in der er mit einer furiosen Schlussphase für Schlagzeilen sorgt

Ein starkes Spiel machte Petar Puljic für den OHV gegen die TSG Bielefeld. Er war siebenfacher Torschütze, überzeugte aber auch in der Abwehr.

Henning Stoehr hatte allen Grund zum Strahlen. Er war einer von den drei Jüngsten im OHV-Team, die maßgeblichen Anteil am Sieg hatten.

Die Spieler des OHV freuten sich riesig über ihren Sieg gegen die TSG Bielefeld.Fotos: Bernd Wolfenberg

Die Liste des OHV Aurich mit Spielen der Sorte verblüffend spektakulär ist seit Sonnabend um ein Kapitel reicher. Die Drittliga-Handballer gewannen gegen die höher platzierte TSG Altenhagen-Heepen Bielefeld mit 31:22 Toren. So weit, so gut. Bis zur 50. Spielminute war es auch eine Partie, wie so viele andere. Was dann passierte? Bielefelds Trainer Niels Pfannenschmidt hatte jedenfalls keine Erklärung dafür: „Ich kann es nicht sagen.“ So richtig fassen konnten es die Auricher aber auch nicht.

In jener 50. Spielminute trafen die Bielefelder zum 22:21. Es war ihre erste Führung überhaupt in diesem Spiel. Da schwante vielen im Auricher Lager schon wieder Böses. Denn von Spielen, in denen der OHV auf der Zielgeraden, trotz eines bis dahin vielversprechenden Verlaufs, am Ende doch leer ausgegangen war, hatte es in dieser Saison schon einige gegeben. Nicht so diesmal.

Aus Sicht von TSG-Trainer Pfannenschmidt, der auf der Pressekonferenz mit seiner launigen Analyse viele Sympathiepunkte sammelte, hörte sich der Spielverlauf so an: „Was ich gut fand, die Jungs sind trotz des Rückstands ruhig geblieben. Und dann haben wir auf einmal geführt. Da war das Momentum auf unserer Seite. Eigentlich.“

OHV in Schlussphase mit Wahnsinnslauf

Die Schlussphase sei dann wie ein Film an ihm vorbeigelaufen: „Die Fehler, die wir gemacht haben, waren echt abenteuerlich. Da muss ich schon in die Hände beißen, um das zu akzeptieren. Ein 10:0-Lauf in zehn Minuten.“

Zehn Tore warfen die Auricher in den letzten zehn Minuten in Folge, ohne einen Gegentreffer zu kassieren und machten so aus dem 21:22 ein 31:22. In der Schlussminute gelang den Bielefeldern dann Tor Nummer 23.

Maßgeblichen Anteil, dass sich die kuriose Schlussphase so entwickelte, wie sie gelaufen ist, hatten die drei Youngster im Team der Auricher: Torwart Marten Jungvogel, der beim Stand von 21:21 in der 48. Spielminute für Edgars Kuksa gekommen war, und die beiden 19-jährigen Henning Stoehr und Jorit Reshöft. Auf den Einsatz von Reshöft, ein Leistungsträger im Team, hatte der OHV eine Woche zuvor im Spiel beim VfL Gummersbach II verzichtet.

Die Führung der Bielefelder glich zunächst Petar Puljic zum 22:22 aus. Er machte in Abwehr und Angriff ein insgesamt starkes Spiel. Auf Zuspiel von Stoehr, der auf der vorgezogenen Position in der Abwehr den Ball bei einem Bielefelder Angriff abgefangen hatte, schloss Josip Crnic einen Gegenstoß zum 23:22 ab.

Stoehr selbst erzielte die Tore 24 und 25, beide auf Vorarbeit von Reshöft. Auf dessen Konto gingen die Treffer 26 nach einer Einzelaktion und 27 ins leere Tor, als die Bielefelder einen siebten Feldspieler für ihren Torwart gebracht hatten. Dazwischen verhinderte Marten Jungvogel mit starken Paraden Tore der Bielefelder. Tor Nummer 28 ging wieder auf das Konto von Puljic, der sich im rechten Rückraum im Spiel Mann gegen Mann durchsetzte. Zum 29:22 und 30:22 traf erneut Reshöft, zum 31:22 Marten Jungvogel. Er setzte damit seiner Glanzparade zuvor mit einem Pass über das gesamte Spielfeld ins leere Bielefelder Tor noch einen drauf.

„Endlich haben wir uns mal belohnt. Als es drauf ankam, haben wir getroffen. Was bisher nicht so war“, sagte OHV-Mannschaftsführer Kevin Wendlandt.

Pfannenschmidt konnte sich vorstellen, dass die Erleichterung im Auricher Team groß war: „So ist Handball. Dabei fand ich uns gar nicht so schlecht. Aber wir lagen trotzdem zurück.“ Den Unterschied hatte er schnell gefunden: „Ihr habt die Dinger reingemacht, wir nicht.“

Die Bielefelder stießen allerdings auch auf eine Auricher Abwehr, die sich in der ersten Halbzeit eine Eins plus verdiente. Und das Torhüterduell ging in Person von Edgars Kuksa ebenfalls an den OHV. Daran konnte der Wechsel der Bielefelder zwischen den Pfosten nach einer guten Viertelstunde nichts ändern.

Eine solide Leistung im Angriff machte in der Summe eine erste Halbzeit, die der OHV bestimmte. Mit Jorit Reshöft, der erstmals in der 25. Spielminute ins Spielgeschehen eingriff, kam dann aber mehr Leben in den Angriff.

OHV auch in kribbeliger Phase ein Team

Die zweite Halbzeit ging für die Auricher zunächst so gut weiter. Zwischen der 36. und 45. Spielminute gelang jedoch nur ein Treffer. Den Bielefeldern gab jedes aufgeholte Tor mehr Auftrieb. „Wir haben Fehler gemacht, die der Gegner genutzt hat“, sagte Wendlandt mit Blick auf die kribbelige Phase. Als er selbst Pech mit einem Lattentreffer hatte und die TSG im Gegenzug das 22:21 erzielte, da schien die das Spiel gedreht zu haben. Es blieb bei dem Schein.

„Wir hatten eine Mannschaft, die auch in einer schlechten Phase zusammengehalten hat“, sagte OHV-Trainer Pedro Alvarez. Er lobte speziell Jannes Hertlein, der trotz einer Fußverletzung spielte, deshalb aber ausschließlich in der Defensive zum Einsatz kam. „Was er in der Abwehr geleistet hat, war ganz wichtig“, so Alvarez.

„Es war einfach unglaublich“, sagte Henning Stoehr, der über die sozialen Medien zum Spieler des Spiels gewählt worden war.

 

OHV Aurich – TSG A-H Bielefeld 31:23 (15:10)

OHV Aurich: Kuksa, Jungvogel (1 Tor); de Buhr (1), Wendlandt (1), Reshöft (5), Fujita (1), L. Meinke, Vorontsov (3/davon 1 Siebenmeter), H. Stoehr (5), Engelbarts, Hertlein, Polishchuk (2), Molnar, Hegyi, Crnic (5/2), Puljic (7).

TSG A.-H. Bielefeld: Raeber, Doden; Vunic, Heidemann (4), Broyer, Vormbrock, Engelhardt, Strathmeier (2), St. Claire (8), Louis, Waldhof (1), Demerza (2), Mihaljevic (1), Plaß (1), Schöße (4/2).

Zeitstrafen: OHV 4 Minuten – TSG 6.

Siebenmeter: OHV 4/3 verwandelt – TSG 2/2.

Schiedsrichter: Yannik Mühlenberg/Jannik Weist (Recklinghausen/Gladbeck).

Zuschauer: 650.

Torfolge: 2:0 (3. Spielminute), 4:3 (10.), 7:3 (12.), 10:5 (18.), 11:8 (25.), 13:10 (27.), 15:10 (30.); 19:13 (36.), 20:17 (43.), 20:20 (46.), 21:20 (47.), 21:22 (49.), 31:22 (60.), 31:23 (60.).