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Der OHV zwischen Hochs und Tiefs

OHS-Geschäftsführer Lutz Günsel zieht nach der Hinrunde eine durchwachsene Bilanz. Das Saisonziel ist jetzt ein anderes

Hinter den Erwartungen blieben die Drittliga-Handballer des OHV in der Hinrunde (im Bild Wilke de Buhr im Spiel gegen die Sportfreunde Soehre).Foto: Bernd Wolfenberg

Sportlich liegen zwischen der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Männer und Drittligist OHV Aurich Welten. Eins aber haben sie gemeinsam. Sie sind euphorisch ambitioniert gestartet. Das Nationalteam am Mittwoch in die Europameisterschaft, der OHV im September vergangenen Jahres in die Saison. Mit dem Unterschied, das Erstere den Erwartungen standgehalten haben. Im Gegensatz zum OHV.

Die Hinrunde in der 3. Liga ist gespielt. Der OHV belegt nach 15 Spielen mit einem negativen Punktekonto (13:17) den achten Tabellenplatz. Nur den achten Platz. „Die Hinrunde ist nicht zufriedenstellend gelaufen. Wir hatten uns mehr ausgerechnet“, zieht Lutz Günsel, zusammen mit Jörg Schmeding Geschäftsführer des wirtschaftlichen Trägers OHS, das Zwischenfazit.

So forsch wie seit Jahren nicht mehr waren die Auricher in die Saison gegangen. Platz vier hatten sie sich zum Ziel gesetzt. Bisher lautete meist die Vorgabe Klassenverbleib und dann weiterschauen.

Fehlende Konstanz ein Grund für Saisonverlauf

Grund für die diesmal optimistische Einschätzung war die Verpflichtung von sechs neuen Spielern. „Da hatten wir ein gutes Gefühl“, sagt Günsel. Im Nachhinein stellt er aber auch fest: „Wir haben unsere Leistung ein bisschen überschätzt.“ Sechs neue Spieler ins Team zu integrieren, brauche seine Zeit. Und Pedro Alvarez sei auch erst in seinem zweiten Jahr Trainer der Mannschaft: „Da müssen wir Geduld haben.“ Und das in einer Staffel, mit der der OHV nicht gerechnet hatte, dort eingruppiert zu werden – in die Staffel Nord-West. Ausgenommen das Führungsduo Eintracht Hildesheim und TV Emsdetten sei die Staffel sehr ausgeglichen besetzt.

Die fehlende Konstanz ist für Günsel ein Grund dafür, dass die Hinrunde durchwachsen gelaufen ist: „Zwischendurch dachte man, jetzt ist sie da und war sie dann doch nicht.“ Die starke Leistung gegen Tabellenführer Eintracht Hildesheim zum Beispiel weckte Hoffnung, auch wenn das Spiel knapp 29:30 verloren wurde. Dann enttäuschten die Auricher andererseits in Spielen, in denen sie Favorit waren. „Aber das ist Sport“, sagt Günsel auch.

War der Druck mit dem gesetzten Saisonziel vielleicht zu groß? „Ein gewisser Druck muss da sein“, sagt Günsel, „ich bin auch immer noch überzeugt davon, dass die Mannschaft das Potenzial für weiter oben hat.“ Im Nachhinein betrachtet sei die Vorgabe in einer stark besetzten Staffel, in der jeder jeden schlagen kann, aber vielleicht zu hoch gesetzt worden.

Den Zuschauerzuspruch in der Hinrunde stuft Günsel insgesamt als ganz gut ein: „Es ist aber noch Luft nach oben.“ Das habe aber auch mit dem sportlichen Abschneiden zu tun. Etabliert ist der Sonntag als Heimspieltag. Für diese Saison haben die OHV-Verantwortlichen für einige Spiele auch den Sonnabend gewählt. Zum Test. „Von den Sonnabendspielen hatten wir uns mehr Resonanz versprochen“, so Günsel.

Nach der kurzen Weihnachtspause sind die Drittliga-Spieler am Dienstag wieder ins Hallentraining eingestiegen. Am nächsten Sonnabend starten sie mit einem Auswärtsspiel beim TuS Spenge in die Rückrunde.

Während es für die Mannschaft sportlich weitergeht, beschäftigen sich die Geschäftsführer jetzt intensiv mit den personellen Planungen für die kommende Saison.

Das vorweg. „Kein Spieler ist bisher an mich herangetreten, dass er Ende dieser Saison aufhören möchte“, sagt Günsel. Einige Spielerverträge laufen aber aus. Ebenso läuft der Vertrag mit Trainer Pedro Alvarez aus. „Grundsätzlich sind wir mit seiner Arbeit zufrieden. Er arbeitet sehr akribisch und ist sehr kommunikativ“, sagt Günsel. Das ist der Stand vor den beginnenden Gesprächen.

Seit August 2018 sind Günsel und Schmeding jetzt bereits Geschäftsführer der OHS. Bis dahin waren sie als ehemals selbst aktive Handballer „nur“ Fans des OHV. Seit jenem Sommer sehen sie die Spiele jedoch aus einer anderen Perspektive. „Du bist emotional anders dabei. Wir haben Hintergrundinfos. Und auch mit dem Schlusspfiff ist ein Spiel für uns nicht abgehakt. Das beschäftigt dich auch lange noch danach.“ Die Arbeit sei in den Jahren mehr geworden, die Verantwortung größer, so Günsel. Deshalb wünschen er und Schmeding sich Verstärkung in der Geschäftsführung der OHS. Egal, ob in Teil- oder Vollzeit.

Zunächst freut sich Günsel aber riesig auf die Fortsetzung der Punktspiele. Für den OHV geht es mit einem neu gesetzten Saisonziel in die Rückrunde. „Wir wollen den Abstand nach unten vergrößern und nach oben schielen“, sagt Günsel. Wohlwissend, dass das in dieser ausgeglichenen Staffel nicht einfach wird. Die Teams auf den Plätzen 14, 15 und 16 müssen am Ende der Saison absteigen. Fünf Punkte trennen den OHV bisher von Platz 14.