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Auricher Handballer jubeln nach Derbysieg

Nie aufsteckender OHV gewinnt erstmals das Derby beim Wilhelmshavener HV – danach hatte es eine Viertelstunde vor Schluss nicht ausgesehen

OHV-Spieler Jonas Wark setzte sich trotz allem Widerstand immer wieder gegen die WHV-Abwehr durch.

Die mitgereisten OHV-Fans hielt es in der spannenden Schlussphase nicht mehr auf den Sitzen. Sie unterstützten ihre Mannschaft lautstark.

Schweißgebadet, aber glücklich über den Derbysieg: Petar Puljic (links) und Josip Crnic, mit dem sich OHV-Teammanager Ewald Meyer freut.Fotos: Bernd Wolfenberg

OHV-Spieler Evgeny Vorontsov machte mit seinem Tor zum 28:25 den Deckel auf den Sieg.

 

Was für ein Derby. Was für eine (Willens)-Leistung der Drittliga-Handballer des OHV Aurich. Damit sorgten sie am Ende für eine Riesenüberraschung. Sie gewannen beim Wilhelmshavener HV mit 28:25 Toren. Es war der erste Auswärts-Derbysieg des OHV überhaupt seit es die 3. Liga gibt, seit der Saison 2010/11. Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Pedro Alvarez in der 35. Minute bereits mit sechs Toren zurückgelegen.

 

„Zu gewinnen, ist ein schönes Gefühl. Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben“, sagte OHV-Spieler und langjähriger WHV-Spieler Evgeny Vorontsov. Er machte 47 Sekunden vor Schluss mit seinem Tor zum 28:25 den Sieg perfekt. Ihm war aber viel wichtiger: „Wir haben als Mannschaft Mittel und Wege gefunden, uns gegenseitig unterstützt.“ Und das von Anfang an.

 

Spiel nimmt am Endeunerwarteten Verlauf

 

Die Mannschaft war im Vergleich zum katastrophalen Auftritt der Vorwoche gegen den MTV Braunschweig nicht wiederzuerkennen. Engagiert auf dem Spielfeld. Emotional auf der Bank. Und dazu selbstbewusst gegen einen Aufstiegsanwärter in dem Wissen, dass der bisher hinter den eigenen sportlichen Erwartungen geblieben ist.

 

Der Auftakt? Vielversprechend und Mut machend für den OHV. Gleich der erste Angriff führte zum Erfolg. Jonas Wark setzte Nikita Pliuto am Kreis in Szene – 1:0 OHV. Das Tor zum 2:1 eine Kopie dessen. Wark selbst erhöhte dann auf 3:1. Und wenn es im ersten Versuch nicht klappte, war der OHV im Nachsetzen auf Zack. So kam er durch zwei Treffer von Nikita Pliuto zum 7:5. Die Abwehr des OHV machte, schnell auf den Beinen und mit einem erneut starken Edgars Kuksa im Tor, den Wilhelmshavenern das Torewerfen schwer. WHV-Trainer Christian Köhrmann reagierte nach einer Viertelstunde mit einer Auszeit. Er schickte sein Team jetzt mit dem langjährigen OHV-Spieler Jonas Schweigart als Regisseur im Angriff zurück.

 

Am Spielverlauf änderte sich jedoch zunächst nichts. Der OHV legte weiter die Tore vor. Bis zum 10:9 in der 26. Minute durch einen verwandelten Siebenmeter von Petar Puljic. Er machte sein bisher wohl bestes Spiel für den OHV, präsent in Angriff und Abwehr. „Alle im Team haben eine wichtige Rolle gespielt und ihre Aufgabe gemacht“, sagte Puljic.

 

In der Restspielzeit bis zur Halbzeit drehten die Wilhelmshavener die Partie. Der OHV fand in Jakub Lefan im WHV-Tor mehrfach den Sieger, musste zudem eine Zeitstrafe, die erste in dem Spiel, gegen Jannes Hertlein kompensieren und fing sich so noch vier Tore ein. Der OHV lag zur Halbzeit 10:13 zurück.

 

Der Rückstand wuchs bis zur 34. Minute auf sechs Tore (11:17). „Wir haben in der Phase unsere Chancen nicht genutzt, die einfachen Tore nicht mehr gemacht“, sagte OHV-Spieler Jonas Wark. Es schien alles auf den von vielen erwarteten Verlauf hinzusteuern.

 

Von wegen. Alvarez griff mit einer Auszeit ein, stellte die Abwehr um mit Puljic jetzt auf der vorgezogenen Position und auch Vorontsov offensiver.

 

Das war das eine. Das andere: Der OHV gab sich nicht auf und schaffte es, den Rückstand zu verkürzen. Bis zur 45. Minute auf zwei Tore (18:20).

 

Es war der Moment, an dem Köhrmann die Auszeitkarte setzte. Seiner Mannschaft gelang es anschließend auch, den Vorsprung wieder auszubauen. Auf vier Tore.

 

Also doch alles wie immer? Wie sich das Spiel dann allerdings entwickelte, gehört in die Kategorie verblüffend.

 

Die 49. Minute: Der OHV liegt 20:23 zurück. Kevin Wendlandt erhält eine Zeitstrafe. Puljic verkürzt auf 21:23. Josip Crnic stibitzt Sekunden später schlitzohrig beim schnellen Anwurf der Wilhelmshavener den Ball, trifft zum 22:23. Ja, und dann vergibt Puljic zwar zunächst einen Siebenmeter, ist aber im Nachsetzen zum 23:23 erfolgreich. Es ist sein fünfter Treffer von insgesamt sechs allein in der zweiten Halbzeit.

 

Auszeit WHV. Aber: Tor durch Vorontsov zum 24:23. Dann hat der OHV beim Angriff des WHV das Glück des Tüchtigen. Der Ball prallt von einem Innenpfosten an den anderen, aber nicht hinter die Torlinie.

 

Der OHV ist nicht mehr zu bremsen. Zwei Treffer von Wark und eine Parade von Kuksa bringen dreieinhalb Minuten vor Schluss das unglaubliche 26:23 für den OHV. „Wir haben alles in die Waagschale geworfen, sind durch einfache Tore wieder ins Spiel gekommen, Eddi im Tor hält sehr gut. Und dann sind wir wieder dran. Das war insgesamt eine überragende Teamleistung. Alle hatten eine Dynamik nach vorne und dann gelingen auch schwierige Dinge“, strahlte Wark.

 

Der WHV ist acht Minuten ohne Tor. Und in der Nordfrost-Arena sind inzwischen nur noch die Aurich-Rufe der rund 100 mitgereisten OHV-Fans unter den insgesamt 1350 Zuschauern zu hören.

 

Auch konfrontiert mit eine zunächst doppelten und schließlich einer offenen Manndeckung lassen sich die Auricher den Sieg nicht mehr nehmen und werden von ihren Fans lange, wie zu besten Zeiten, bis hin zum Hinsetzen und Humba-Aufstehgesängen gefeiert.

 

 

Wilhelmshavener HV –OHV Aurich 25:28 (13:10)

Wilhelmshavener HV: Lefan, Stasch; Maas (3 Tore), Bak (4), Eberlein (5/davon 3 Siebenmeter), Sanchez (3), Schweigart, Behrens, Kozul, Schwolow (4), Coßmann (3), Mißling (3), Misetic (1).

OHV Aurich: Kuksa, Jungvogel; Wendlandt (1), Vorontsov (4), M. Pliuto (3), N. Pliuto (4), Wark (5), Hertlein, Meinke, Crnic (3), Radjenovic, Puljic (8/2).

Zeitstrafen: WHV 4 Minuten – OHV 4.

Siebenmeter: WHV 3/3 verwandelt – OHV3/2.

Schiedsrichter: Sebastian Ebel / Niklas Krähe (Celle/Hamburg).

Zuschauer: 1350.

Torfolge: 2:4 (6. Spielminute), 5:5 (10.), 6:8 (15.), 8:8 (23.), 9:10 (26.), 13:10 (30.); 14:11 (31.), 17:11 (34.), 19:14 (39.), 20:16 (43.), 20:18 (45.), 22:18 (47.), 23:20 (49.), 23:26 (57.), 25:28 (60.).