Und überhaupt… von Willy Oevermann
Meine letzte Tour mit dem Fanbus führte mich am 01. März 2025 zum Derby nach Wilhelmshaven. Zum Glück hatte ich mich früh genug angemeldet, denn das Gefährt war bis auf den letzten Platz gefüllt, mit Jan, dem jüngsten und Uli, dem ältesten Mitfahrer. Dazwischen eine tolle Mischung frohgestimmter OHVer. Wegen der sehr zeitigen Abfahrt (15.30) waren wir, trotz Fototermin und notwendiger Raucherpause sehr frühzeitig an der Nordfrost-Arena eingetroffen. Der frischen Luft entfliehend, fanden wir uns bald im vorgegebenen OHV-Block ein, trafen auf viele bekannte Gesichter, während auf Wilhelmshavener Seite nur einige wenige frühzeitig ihre Tribünenplätze eingenommen hatten. An der Getränke- und Würstchen-Ausgabe bildete sich die erste kleine Warteschlange, als die Trommler unseres Fanclubs lautstark ihren Tribünenplätzen entgegen marschierten. Alle Nichttrommler empfingen stehend applaudierend ihre Rhythmusgeber. „Hier regiert der OHV“, überzeugten sich alle 250 angereisten Ostfriesen gegenseitig.
Je näher wir der Anwurfzeit kamen, umso voller wurde die Hütte und die Wilhelmshavener starteten ihre geräuschvolle Gegenoffensive. So sind wir es gewohnt, so ist das Derby. Punkt 18 Uhr ging’s los und schon nach 56 Sekunden brachte uns Rosty in Führung. Nach 9 Minuten sind wir drei Tore vor, der WHV nach 16‘ erstmals mit einem, nach 22‘ wieder wir mit vier, und zum Halbzeitpfiff landet ein abgefuckter Freiwurf von Rosty zum 16:18 im Netz. Der OHV-Tross reckte alle Hände zum Himmel.
Nach der Pause musste der Schieri alleine weitermachen, sein Kollege musste verletzungsbedingt vorzeitig aufhören, und ein Ersatz war unter den Zuschauen nicht zu finden. Doch der „Single“ machte er seine Sache souverän – auch weil beide Mannschaften einen bemerkenswert fairen Zweikampf hinlegten. Soll nicht heißen, dass es ein ruhiger Spieltag wurde. Auf der Platte nicht und bei uns auf den Rängen schon gar nicht. Unsere Führung war bald dahin und WHV lag mit zwei Toren vorne. Und bei uns Fans herrschten abwechslungsreiche Zustände: Freude und Ärgernis, Zweifel, Hoffnung, Aberglaube, Verzweiflung, Zuversicht. Alles wie gewohnt. Der typische Derby-Wahnsinn.
Für die Schlussviertelstunde war dann Marten wieder ins Tor zurückgekommen. Trainer Sven Suton hatte das richtige Näschen bewiesen, denn innerhalb von wenigen Minuten brachte Marten uns mit fünf Paraden wieder zurück ins Spiel. Der WHV lag in der 53‘ zwei Tore vor, wir aber ließen nicht locker und lagen mit einem Tor zurück, als der Teufelskerl Marten einen Siebenmeter gegen den sonst so sicheren Matej Kozul halten konnte. Direkt im Anschluss rastete unsere Kurve endgültig aus, nachdem Rosty mit seinem zehnten Tor zum 30:30 getroffen hatte. Wilhelmshaven reagierte übernervös, verdaddelte seinen Ballbesitz und Sven hatte prompt die Auszeitkarte gezückt. Fünfzehn Sekunden vor Schluss! Jetzt volles Risiko? Alles oder nichts? Doch unsere Jungs gingen auf Nummer sicher, hielten den Ball bis zur Schlusssirene in den eigenen Reihen und wir, wir konnten endlich feiern. Was anschließend für den WHV wie eine Niederlage gewirkt hatte, war für uns ein gefühlter Sieg. Und was für einer!
Entsprechend war die Stimmung im „Bus voll OHV“. Egal ob „Wir sind Ostfriesenkinder“ gesungen wurde oder „Tornero“ in Endlosschleife, egal ob wir „Sweet Caroline“ intonierten; egal, es musste laut sein und nicht enden. Allen voran D. M-D, dazu T., unsere weibliche Stimmungskanone, und der ganze, total verrückte Haufen.
